MULTIMEDIA/HYPERMEDIA in mittleren und kleineren Unternehmen

Autor IIK Ansbach e.V.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Wazel
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1. These Die Ablösung des Industriezeitalters durch das Informations- bzw. Kommunikationszeitalter wird in kürzester Zeit nicht nur zu bedeutenden strukturellen Veränderungen im Produktionsbereich und auf dem Arbeitsmarkt führen, sondern auch die Bereiche Bildung, Erziehung und Unterhaltung wesentlich tangieren sowie die gesellschaftlichen und menschlichen Beziehungen beeinflussen.
2. These Ein entscheidendes Element der Informationsgesellschaft werden Kommunikations- und Informationsmedien, wie Multimedia bzw. Hypermedia, die On-Line-Services und das Interaktive Fernsehen, sein. Die Integration dieser Kommunikationstechnologien bzw. Kommunikationsarten in Gestalt eines globalen elektronischen Daten-Superhighways ist keine Utopie mehr, sondern kann bereits etwa via Internet, T-Online, CompuServe, AOL, EOL, MSN und andere praktiziert werden.
Der Weltmarkt für Kommunikationsdienste wird bis zum Jahre 2000 auf weltweit 1,5 Billionen Mark geschätzt.
3. These Der Begriff "Multimedia" erschien - etwa in der Pädagogik - bereits in den 50er und 60er Jahren, und man verstand darunter nichts weiter als neue Medien zur Unterstützung des Lernprozesses, was meist eine additive Verwendung der differenten Medien bedeutete.
"Multimedia" bzw. "Hypermedia" sollte man indessen heute integrativ verstehen, will sagen: geplante, computergesteuerte Integration von Text, Grafik, Ton, Animation und Video zur interaktiven Informationsvermittlung und -verarbeitung, eventuell auch Informationsproduktion.
Multimedia/Hypermedia ist folglich nicht vordergründig als Technologie, sondern als neue Kommunikationsart mit hoher Qualität zu verstehen, die durch die Attribute "computergestützt", "medienintegriert" und "interaktiv" zu charakterisieren ist, wobei das für den jeweiligen Zweck am besten geeignete Medium im Vordergrund stehen sollte.
4. These Interaktivität und Medienintegration hängen wesentlich von der Nutzung des Hypertext-Verfahrens ab.
"Hypertext" bedeutet eigentlich ursprünglich "nichtsequentielles Schreiben". Das heißt, der Zugriff auf Anwendungen und Datenbanken erfolgt nicht (nur) linear wie bei einem Buch, sondern (auch) assoziativ durch Verwendung von Querverweisen durch alle Ebenen.Der Nutzer kann sich unbekannte Begriffe ad hoc mittels Mausclick durch "Untertexte" erklären lassen sowie detaillierte Zusatzinformationen zu Textstellen, Karten, Bildern, Tabellen abrufen, und zwar nicht nur in Form von Texten, sondern auch in Gestalt von Karten, Skizzen, Bildern, Ton, Animation und Video.Die Verbindung von Hypertext und Multimedia bezeichnet man deshalb zutreffenderweise neuerdings als Hypermedia.
5. These In einigen Bereichen ist der effektive Gebrauch multimedial strukturierter Informationssysteme bereits Usus und ökonomisch relevant, etwa
  • in der wissenschaftlichen Recherche (bis hin zum Aufbau und zum Gebrauch virtueller Bibliothken)
  • im militärischen Bereich
  • in der Unterhaltungsbranche
  • in der Automobilindustrie (Werbung/Verkauf/Service)
  • in der Immobilien- und Versicherungsbranche
  • im Journalismus
  • in der Architektur
  • im Dienstleistungsbereich (Reparatur/Service)
  • in Wirtschaftsinformatik und BWL
  • in der Medizin
  • in der Tourismusbranche
  • im Handel
  • im Bankwesen.
6. These Multimedia/Hypermedia sollten nicht nur isoliert als vornehmliche Nutzung von CD-ROMs in PCs betrachtet, sondern stets im Zusammenhang mit der Telekommunikation/der Datenfernübertragung (DFÜ) gesehen werden, die sich bereits heute nicht mehr nur des geschriebenen Wortes bedient, wie das bei der klassischen Elektronischen Post (E-Mail) der Fall ist, sondern auch alle Elemente von Hypermedia zur globalen Kommunikation (auch in Gestalt von Multimedia-Mail) nutzt.

Dieser auch ökonomisch bedingte Trend (Firmen und Behörden sind an z.T. weit verteilten Standorten situiert, müssen aber effektiv kooperieren) wird sich außerordentlich rasch verstärken und alle Bereiche tangieren.

Besonders in der Wirtschaft besteht die Notwendigkeit, einen raschen Zugriff sowohl auf einen umfangreichen Pool von Daten, Richtlinien, Gesetzesvorschriften usw. als auch auf tagesaktuelles Wissen zu haben, das man nicht in geschlossenen Systemen vorfindet. Hier erweist sich der Zugriff auf externe Quellen mittels DFÜ künftig als ökonomisch relevant.

7. These Durch die zweifellos rasch in alle Sphären der Arbeitswelt, aber auch in die Privatsphäre eindringende neue Technik mit ihrem neuen Informationsfluß werden massenhaft Arbeitsplätze wegrationalisiert, verändert; dafür entstehen - oft an anderer Stelle - neue. Nach einer Schätzung des Zukunftsministeriums Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie werden in Europa in den nächsten Jahren 10 Millionen neue Stellen entstehen.
Als folgenreicher ist jedoch u.E. die Tatsache anzusehen, daß die neuen Techniken auch die meisten etablierten Tätigkeiten durchdringen und damit verändern werden. Der Bedarf an Werktätigen mit EDV-Qualifikation wächst laut Statistik des Forschungsministeriums in den einzelnen Berufen wie folgt:

1970
1990
2000
Millionen im Jahr 2000
Erwerbstätige ohne Bedarf an DV- Qualifikation 95%57%36% 9 Mio.
DV-Randberufe3% 25%40%10 Mio.
DV-Mischberufe1,5% 15%20%5 Mio.
DV-Kernberufe0,5% 3%4%1 Mio.

K.Brepohl ("Karriereführer Spezial" 1996, 19) ist der Auffassung, daß man diese Zahlen heute schon auf Kosten derjenigen ohne Bedarf an DV-Qualifikationen zugunsten der Rand- und Mischberufe nach oben korrigieren müsse, weil die Entwicklung die Prognose bereits überholt habe.
Dies liegt z.T. auch daran, daß die Halbwertzeit des Wissens im EDV-, speziell im Multimediabereich, gegenwärtig bei zwei Jahren liegt, folglich eine ständige Qualifikation erforderlich ist.
Das Gesagte gilt besonders für die Region Mittelfranken, die nach dem Willen der bayerischen Regierung bei der "multimedialen Unterhaltungs-, Informations- und Kommunikationstechnologie ganz vorn dabei sein" soll (Minister Wiesheu), die deshalb als "Kompetenzregion" bezeichnet wird ("Mittelfränkische Wirtschaft", März 1996, 5) und die aufgrund ihrer spezifischen Struktur, dem hohen Anteil kleinerer und mittlerer Unternehmen, eine schnelle Reaktion auf Innovationen notwendig, aber auch möglich macht. Das betrifft vor allem die außenhandelsorientierten KMU, die in der Region Mittelfranken zwei Drittel der Außenhandelsfirmen (ca. 2000) stellen.

Der Einsatz der modernen EDV-Anwendungen kann die Wettbewerbslage kleinerer und mittlerer Unternehmen in einem Prozeß verbessern, der durch die Schwächung monopolistischer Beziehungen zwischen Auftraggebern und Lieferanten gekennzeichnet ist. Eine wichtige Voraussetzung ist, daß sie sich - nicht zuletzt unter Nutzung der neuesten Informations- und Kommunikationstechnologien - hochreaktiv und innovativ verhalten, d.h. sich flexibel, unbürokratisch und rasch an neue Strukturen, Bedingungen und Bedürfnisse anpassen. Die Erfahrung zeigt, daß zentralistisch ausgerichtete Organisationsformen dazu nicht (mehr) oder kaum in der Lage sind.

Die EU will mittels größerer Projekte die Telematikdienste für KMU verfügbar machen und orientiert darauf, daß bis 1996 ca. 40% der KMU (mit mehr als 50 Mitarbeitern) diese Dienste nutzen.
Dabei genießen ihre Verbindungen zu Verwaltungsnetzen Priorität.
Derartige Vorhaben zeugen deshalb von Weitblick, weil die Prosperität eines Unternehmens und der Wohlstand eines Landes - wie Hamel/Prahalad in ihrem aufsehenerregenden Buch "Wettlauf um die Zukunft" schlüssig nachweisen - von der Rolle abhängen, "die seine Unternehmen bei der Schaffung der Märkte von morgen spielen. Gelingt es Unternehmen und Nationen nicht, die Zukunftschancen rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen, verarmen sie". Personalabbau, d.h. "Verschlankung" bzw. "Schrumpfkuren", und Wachstum allein reichen nicht aus, um auch auf dem Markt der Zukunft bestehen zu können. Eine auf kreativem Wissen aufgebaute, zielstrebig erarbeitete Kompetenz sowie die Berücksichtigung potentieller Kundenwünsche sind der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Daß dabei die Multimediakommunikation immer bedeutsamer wird, steht außer Zweifel. Dies beweisen neuerdings auch Internet-Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen (vgl. etwa Focus 16/96, 223 ff.)
Der elektronische Austausch von Geschäftsdaten, nicht zuletzt: Finanzinformationen, Bestellwesen, Auftragsdaten, Übermittlung von Produktionsdaten, Unterstützung des Außendienstes, Fernabfragen, Datenbankrecherchen, Versand von Qualitätssicherungsdaten, Steuerung von Fahrzeugflotten usw., kann die Verwaltungskosten erheblich senken. Eine conditio sine qua non für das Wirksamwerden dieses zunächst nur potentiellen Vorteils ist die Standardisierung der (modular organisierten) Rechner- und Anwendungswelten; denn proprietäre Verfahren münden schnell im Abseits.

Für den EDI (Electronic Data Exchange)-Anwender ergeben sich vier wesentliche strategische Vorteile:

  • Die Geschäftsabläufe werden wesentlich beschleunigt und damit schneller abgeschlossen.
  • Einsparungen ergeben sich bei den Post-, Kopier-, Ablage-, Datenerfassungs- und Prüfungskosten. Bei der Just-in-time-Fertigung können Lagerkosten reduziert werden. Das Umlaufvermögen läßt sich reduzieren, da Vorgänge schneller abgeschlossen werden.
  • Die Servicefähigkeit zwischen Lieferanten und Kunden wird erhöht. Reaktionszeiten auf Anfragen und Aufträge lassen sich verkürzen; die Kundenzufriedenheit steigt.
  • Die Position im Markt gegenüber Wettbewerbern verbessert sich. Ebenso wird die Qualität erhöht, da Daten nicht wiederholt manuell eingegeben werden müssen und sich keine Eingabefehler einschleichen können.

Mittelständler sahen in einem Interview die nachstehenden Vorteile durch Telekommunikation:

  • schnellere Reaktionszeiten (87,5%)
  • Verbesserung der Arbeitsqualität (52,9%)
  • Kostensenkung (49%)
  • intensivere Kundenbindung (46,7%)
  • Absicherung der Marktsituation (41,5%)
  • Neugeschäft mit Kunden (28,3%).

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeitsplätze wird dank des Computers in den Heimbereich (distributed work) verlagert, d.h., die seit der ersten industriellen Revolution typische Trennung zwischen Familienleben und Arbeitsplatz wird wieder rückgängig gemacht. In den USA erledigen schon mehr als 3 Millionen Menschen ihre Arbeit am heimischen PC und stehen per Datenleitung und Fax mit ihrer Zentrale in Verbindung (Telemuting bzw. Telecommuting = Telependeln). In einem IBM-Bürokomplex stehen 650 Angestellten nur noch 220 Schreibtische zur Verfügung, da die Mitarbeiter nur jeweils zwei, drei Tage im Büro anwesend sind. Telemuting spart Immobilien- und Reisekosten, Parkplätze, trägt zum Umweltschutz bei und erhöht die Produktivität. Videokonferenzen und Videotelefon werden Geschäftsreisen reduzieren, die z.B. in Deutschland jährlich 62 Milliarden DM kosten.

In Deutschland gibt es derzeit erst 200.000 Telearbeiter; die Zahl der telearbeitsfähigen Arbeitsplätze dürfte indessen bei 30% aller Arbeitsplätze liegen. Der gegenwärtige Rückstand ist u.a. darin begründet, daß in Deutschland erst 10% der Firmen mit E-Mail arbeiten. Dies wird sich allerdings wahrscheinlich angesichts der Gebührenentwicklung bei der Post bald ändern.

Mit der Arbeit am Hometerminal entfällt weitgehend der Zwang zur äußeren Mobilität, weil eben ein Teil der komplexen Arbeitsvorgänge in der Wohnung des Arbeitnehmers oder Subunternehmers abläuft. In Ländern mit großen räumlichen Entfernungen oder jede Zeitplanung zu einem Wagnis machenden Verkehrsproblemen ist ein Fernunterricht über Mailboxen bereits Wirklichkeit.

Die Zahl der qualifizierten unabhängigen und abhängigen Kleinunternehmer wird - von Ausnahmen (z.B. Reiseunternehmen) abgesehen - steigen. In den Betrieben werden die großen, zentralistisch ausgerichteten Organisationsformen durch schlanke, geschäftsprozeßorientierte Strukturen, Dezentralisierung von Aufgaben und Verwaltung, Lean Production ersetzt. Es werden hochreaktive Systeme mit schnell anpaßbaren Strukturen entstehen. Dies führt zu quantitativ und qualitativ erhöhten Kommunikationsanforderungen, einer leistungsfähigen unternehmensweiten Kommunikationsinfrastruktur.

Untersuchungen zu den Möglichkeiten unternehmensweiter Multimediakommunikation haben u.a. ergeben, daß a) der Einsatz dieser Systeme nicht von der Unternehmensgröße abhängt und b) unterschiedliche Branchen differente Forderungen an die einzelnen Komponenten der Multimediakommunikation stellen. Im Baugewerbe, in der Immobilienbranche oder im Nutzfahrzeugbereich beispielsweise spielt die visuelle Information eine größere Rolle als im Geldverkehr der Banken.

8. These Eine moderne, künftig zu einem beträchtlichen Teil dezentralisierte, in starkem Maße im Selbststudium bzw. mit E-Mail absolvierte Ausbildung, Umschulung und Anpassungsfortbildung mit modernen Medien (Tele-Teaching) ist die conditio sine qua non für die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Maßstab. Andererseits ermöglichen hypertextbasierte Assistenzsysteme die Überwindung der bisher üblichen Trennung von Arbeits- und Lernprozessen, die ein Relikt der ersten industriellen Revolution ist und den Anforderungen der Informations-, Hochtechnologie- und Robotergesellschaft nicht mehr entspricht.

Der Anwender hat bei diesen integrativen Systemen Zugriff auf die für die Erledigung seiner Arbeit relevanten gesicherten, aber auch tagesaktuellen Daten, Tarife usw. in internen und externen Datenbanken. Die multimediale Vernetzung gestattet ihm aber auch die Erweiterung seines beruflichen Grund- und Hintergrundwissens. Voraussetzung für das Funktionieren derartiger Assistenzsysteme ist jedoch, daß es möglich wird, die erforderlichen Informationen - so Melchert/Witt (1994, 180) -

  • jederzeit und direkt am Arbeitsplatz,
  • umfassend, aber konzentriert auf das Wesentliche,
  • in zuverlässig aktualisierter Version,
  • sowohl in gezielt geschäftsprozeßbezogener Sicht
  • als auch im Hinblick auf relevantes Hintergrundwissen zu erhalten.

Assistenzsysteme dieser Art wirken sich nicht nur positiv auf die Weiterbildung der einzelnen Mitarbeiter, sondern potentiell auf den gesamten Betrieb aus.
Hypertextbasierte, vernetzte Multimediasysteme erweisen sich in der Aus- und Fortbildung nicht zuletzt dort als dringend erforderlich, wo bergreifende Prozesse beherrscht werden müssen, wie dies bei der Lenkung eines Unternehmens bzw. der Logistik mit den in ihr vereinigten bzw. zusammentreffenden Disziplinen Betriebswirtschaft, Technik, Informatik, Organisationspsychologie usw. der Fall ist.

9. These Die Notwendigkeit, sich mit den neuen Medien zu befassen und auszurüsten, wurde inzwischen auch in Europa erkannt.

Die Europäische Gemeinschaft initiierte daher gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung eine sog. ADAPT-Initiative. Die verfolgt die nachstehenden Ziele:

  • Hilfestellung für die Arbeitnehmer bei der Anpassung an die sich verändernden Anforderungen des Arbeitsmarktes
  • Unterstützung von Projekten, die neue Wege der Antizipierung des strukturellen Wandels auf dem Arbeitsmarkt erforschen, wie z.B.die Lokalisierung von Wachstumsbereichen oder Bereichen, in denen überflüssige Arbeitskräfte freigesetzt werden, die Bewertung des Einflusses neuer Technologien auf Beschäftigungsstrukturen sowie die Ermittlung des neu entstehenden Ausbildungsbedarfs
  • Unterstützung von Initiativen, die Arbeitnehmern aktiv helfen, sich flexibel an den industriellen Wandel anzupassen; solche Aktionen können in Form von Entwicklung innovativer Ausbildungsprogramme, Erforschung und Förderung neuer Managementansätze sowie Unterstützung flankierender Aktivitäten, die voraussichtlich neue Arbeitsplätze schaffen, durchgeführt werden
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, indem innovative Ausbildungsprojekte vorangetrieben werden, aus denen Arbeitnehmer, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder die aufgrund unzureichender bzw. ungeeigneter Qualifikationen ins Hintertreffen geraten sind, Nutzen ziehen.
10. These In kleineren und mittleren Unternehmen wird es gewiß derzeit darum gehen, die

täglichen Aufgaben mit der vorhandenen Standardsoftware, angefangen von modernen Textverarbeitungssystemen (wie Word für Windows 7.0) , Datenbanken (wie Access 7.0) und Tabellenkalkulationsprogrammen (wie Excel 7.0), evtl. Finanzbuchhaltungsprogrammen (wie FIBU) bis hin zu Windows 95, zu bewältigen.
Der nächste Schritt dürfte darin bestehen, Nebenstellen zu integrieren und den Anschluß an die Online-Dienste herzustellen, deren Qualität aufgrund des in diesen Tagen mit aller Schärfe beginnenden Verdrängungswettbewerbs schnell verbessert werden wird, wie etwa das Beispiel des bislang wenig attraktiven Datex-J/Btx (jetzt T-Online) beweist. Daß die Preise für die Dienste und die Multimedia-Software fallen werden, ist ebenso vorauszusehen. Schließlich wird auch die Qualität der Verkabelung verbessert werden müssen. Diesbezüglich ist die Ausgangslage in den neuen Bundesländern ausnahmsweise besser als in den alten.
Der Anschluß an die Online-Dienste wird schon deshalb zu einer Überlebensfrage, weil a) immer mehr Behörden ihre Dienste im Netz anbieten (s. z.B. Nürnberg, INFOCITY NRW), b) die Verknüpfung des Arbeitsprozesses mit lebenslangen Lernprozessen (bis hin zu lernenden Unternehmen) eine wichtige Wettbewerbsposition wird und c) Werbung bzw. Marketing sehr stark onlineorientiert erfolgen werden.
Branchen, die sich nolens volens intensiver mit ihrer Zukunft befassen, präsentieren sich inzwischen multimedial; denn sie haben erkannt, daß es künftig - so der Intel-Manager Bodenkamp - nur noch zwei Kategorien von Firmen geben wird: the quick and the dead.
Auch im Verkauf wird Multimedia schnell eine größere Rolle spielen. Hier wird es vor allem im Handel derzeit vorrangig als Stoppereffekt genutzt. Ferner dienen Multimediaanwendungen dazu, Wartezeiten durch Unterhaltung zu überbrücken und ein Verkaufsgespräch wirksam zu unterstützen.
Die vielfältigsten Lösungen zum Einsatz von Multimedia beim Absatzmarketing wurden bisher augenscheinlich im Autohandel, im Tourismus, in der Musik- und Unterhaltungsindustrie sowie im Bereich der Banken gefunden. Hier hat sich am ehesten die Erkenntnis durchgesetzt, daß der frühzeitige Einsatz von Multimedia zur Erfolgsposition wird.
Es kommt darauf an, diese Position in kürzester Zeit auszubauen und die derzeit höchst unbefriedigende Situation, d.h. den verbreiteten informationstechnologischen Analphabetismus, auf den sogar Entscheidungsträger mitunter stolz sind, nicht schönzureden. IHK-Präsident Prof.Hubert Weiler moniert andererseits mit Recht: "Wir brauchen keine Leichenredner und Schiedsrichter, sondern wünschen uns aktiv und positiv handelnde, selbstbewußte Menschen." Eine jede Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahme sollte dieses übergeordnete Ziel verfolgen. Dabei ist u.E. die Anbindung an mittelfränkische bzw. bayerische Initiativen insbesondere im Bereich der neuen dienstleistungsrelevanten Medien, wie "Mittelfränkisches Innovationsnetz" (unter Beteiligung des IIK), "NIK Nürnberger Initiative für Kommunikationswirtschaft", "Bayern Online/Bayernnetz/Multimedia Bayern/Bayerisches Innovationsnetz/"Strategie 2000-Initiative für zukunftsorientiertes Management", "IQ 2000", "Bayerisches Schulnetz" usw. anzustreben. Dies wird dazu beitragen, "daß wir endlich die Technikfeindlichkeit in Deutschland überwinden, sonst verschläft Deutschland seine Zukunft" (B.Jagoda in FLZ vom 15.4.96,4).

11. These Eine besondere Rolle wird auch für KMU das Fernlernen und in diesem Zusammenhang die Nutzung externer Selbstlernzentren spielen, da die KMU kaum in der Lage sein werden, diesbezüglich eigene Strukturen aufzubauen. Entsprechende Pläne favorisiert die EU (die Förderung des Fernlernens steht bereits an zweiter Stelle nach der der Telearbeit - s. die Empfehlungen der sog. Bangemanngruppe), verfolgen aber auch die IHKs und öffentliche wie private Bildungsinstitutionen, wie das IIK Institut für Interkulturelle Kommunikation e.V und die Gesellschaft für Interkulturelle Kommunikation mbH in Bayern, Berlin und Thüringen.
Ein Problem besteht darin, daß das breite Bildungswesen grundsätzlich unvorbereitet auf die Herausforderung seitens der Informationstechnik ist.
Insbesondere die Schule bereitet nur ungenügend auf die Beherrschung der neuen Technologien vor. Sie befindet sich permanent im Nachtrab, was die neuen Techniken und Medien betrifft. Die Wirtschaft produziert infolge flexiblen Managements im Handumdrehen neue Produkte, wohingegen das Bildungswesen noch mit Planungszeiträumen von sieben bis zehn Jahren operiert. Das schulische Equipment ist - von Ausnahmen abgesehen - veraltet.
Wir brauchen ein weiterentwickeltes Bildungswesen, welches den Menschen für eine Welt voller Informationstechnik qualifiziert.
Das Bildungswesen muß, wenn es den gegenwärtigen Anforderungen entsprechen will, dem Menschen die informationelle Umwelt erschließen, damit er in Harmonie mit einer human computerisierten Gesellschaft leben kann.Ein Ausstieg aus der sich unausweichlich weiterentwickelnden computerisierten Gesellschaft ist nur zum Preis eines drastisch reduzierten Bruttosozialprodukts zu haben. Eine großflächige informationstechnische Grundbildung ist die Voraussetzung für die Lösung der vielschichtigen Probleme von Gegenwart und Zukunft.
Viele Bildungsträger verstehen unter informationstechnischer Grundbildung immer noch die formalisierte Vermittlung von Programmiersprachen der sechziger Jahre (etwa BASIC) und haben noch nicht zur Kenntnis genommen, daß die gegenwärtige Mensch-Maschine-Kommunikation eine ganz andere Struktur aufweist, sie also ihre Kursteilnehmer mit Überflüssigem traktieren, anstatt sie zum Verständnis der modernen Prinzipien der Informationstechnik einschließlich der Telekommunikation zu führen, sie zu einer bewußten und produktiv-kritischen Nutzung der Informationstechnik zu befähigen. Dazu zählt auch die Befähigung zur Nutzung vorhandener Datenbanken und zur rechneradäquaten Vorstrukturierung von Daten zwecks Verarbeitung auf dem Rechner.
Da die Schule inzwischen gegenüber dem Homebereich sowohl hinsichtlich der PC-Hardware als auch der PC-Software ins Hintertreffen geraten ist, kommt es derzeit vor allem darauf an, den Homebereich sinnvoll in den Lehr- und Lernprozeß zu integrieren, ihn durch kompetente Beratung zu optimieren und zu qualifizieren.
Materielle und ideelle Investitionen sollten schwerpunktmäßig dort vorgenommen werden, wo der Homebereich noch unterentwickelt ist: bei der Nutzung der Online-Dienste. Diesbezüglich könnte die Schule gegenwärtig noch eine Vorreiterrolle übernehmen.
Aus diesem Grund ist es u.a. ratsam, die Bildungsinitiative des Bundesministriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu unterstützen.
Mit Recht konzentriert sich diese Offensive auf Leitmotive wie:
  • Öffnung von Schulen durch Kooperation und Kommunikation mit anderen Schulen in Deutschland und weltweit, mit Universitäten, Bibliotheken, Unternehmen der Wirtschaft
  • Förderung schulischen und außerschulischen Lernens in einer Informationsgesellschaft sowie des interkulturellen Lernens
  • verantwortlicher Umgang mit multimedialen Informations- und Kommunikations- techniken
  • Qualifizierung von Lehrkräften zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

Die netzorientierte Arbeit umfaßt dabei sinnvollerweise folgende Tätigkeiten:

  • Versenden und Empfangen elektronischer Post, d.h. die weltweite Kommunikation mit anderen Schülern
  • gezieltes Suchen von Informationen in Netz-Diensten und Datenbankanbietern, d.h. das kompetente Durchführen von Recherchen
  • telekooperatives Arbeiten, d.h. das moderierte Arbeiten mit anderen Schülern an einem gemeinsamen Thema
  • Publizieren im Netz, d.h. das Anfertigen und Bereitstellen von Informationsangeboten für andere, z.B. mittels WWW-Seiten.

Letztlich verfolgt das Projekt das übergeordnete Ziel: die in den geförderten Schulprojekten gewonnenen Ergebnisse als Anstoß und Grundlage für neue curriculare Ansätze einer auf Informations- und Kommunikationstechnik basierten Bildung zu verstehen und diese bundesweit mit allen Partnern im Bildungsbereich weiter zu entwickeln.

 
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