MULTIMEDIA/HYPERMEDIA in mittleren und kleineren Unternehmen | ||||||||||||||||||||||||||
| Autor | IIK Ansbach e.V. Prof. Dr. Dr. Gerhard Wazel Johann-Sebastian-Bach-Platz 7 D-91522 Ansbach Tel: 0981 / 977 161 Fax: 0981 / 977162 | |||||||||||||||||||||||||
| 1. These | Die Ablösung des Industriezeitalters durch das Informations- bzw. Kommunikationszeitalter wird in kürzester Zeit nicht nur zu bedeutenden strukturellen Veränderungen im Produktionsbereich und auf dem Arbeitsmarkt führen, sondern auch die Bereiche Bildung, Erziehung und Unterhaltung wesentlich tangieren sowie die gesellschaftlichen und menschlichen Beziehungen beeinflussen. | |||||||||||||||||||||||||
| 2. These | Ein entscheidendes Element der Informationsgesellschaft
werden Kommunikations- und Informationsmedien, wie Multimedia
bzw. Hypermedia, die On-Line-Services und das Interaktive Fernsehen,
sein. Die Integration dieser Kommunikationstechnologien bzw. Kommunikationsarten
in Gestalt eines globalen elektronischen Daten-Superhighways ist
keine Utopie mehr, sondern kann bereits etwa via Internet, T-Online,
CompuServe, AOL, EOL, MSN und andere praktiziert werden. Der Weltmarkt für Kommunikationsdienste wird bis zum Jahre 2000 auf weltweit 1,5 Billionen Mark geschätzt. | |||||||||||||||||||||||||
| 3. These | Der Begriff "Multimedia" erschien
- etwa in der Pädagogik - bereits in den 50er und 60er Jahren,
und man verstand darunter nichts weiter als neue Medien zur Unterstützung
des Lernprozesses, was meist eine additive Verwendung der differenten
Medien bedeutete. "Multimedia" bzw. "Hypermedia" sollte man indessen heute integrativ verstehen, will sagen: geplante, computergesteuerte Integration von Text, Grafik, Ton, Animation und Video zur interaktiven Informationsvermittlung und -verarbeitung, eventuell auch Informationsproduktion. Multimedia/Hypermedia ist folglich nicht vordergründig als Technologie, sondern als neue Kommunikationsart mit hoher Qualität zu verstehen, die durch die Attribute "computergestützt", "medienintegriert" und "interaktiv" zu charakterisieren ist, wobei das für den jeweiligen Zweck am besten geeignete Medium im Vordergrund stehen sollte. | |||||||||||||||||||||||||
| 4. These | Interaktivität und Medienintegration
hängen wesentlich von der Nutzung des Hypertext-Verfahrens
ab. "Hypertext" bedeutet eigentlich ursprünglich "nichtsequentielles Schreiben". Das heißt, der Zugriff auf Anwendungen und Datenbanken erfolgt nicht (nur) linear wie bei einem Buch, sondern (auch) assoziativ durch Verwendung von Querverweisen durch alle Ebenen.Der Nutzer kann sich unbekannte Begriffe ad hoc mittels Mausclick durch "Untertexte" erklären lassen sowie detaillierte Zusatzinformationen zu Textstellen, Karten, Bildern, Tabellen abrufen, und zwar nicht nur in Form von Texten, sondern auch in Gestalt von Karten, Skizzen, Bildern, Ton, Animation und Video.Die Verbindung von Hypertext und Multimedia bezeichnet man deshalb zutreffenderweise neuerdings als Hypermedia. | |||||||||||||||||||||||||
| 5. These | In einigen Bereichen ist der effektive
Gebrauch multimedial strukturierter Informationssysteme bereits
Usus und ökonomisch relevant, etwa
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| 6. These | Multimedia/Hypermedia sollten nicht nur
isoliert als vornehmliche Nutzung von CD-ROMs in PCs betrachtet,
sondern stets im Zusammenhang mit der Telekommunikation/der Datenfernübertragung
(DFÜ) gesehen werden, die sich bereits heute nicht mehr nur
des geschriebenen Wortes bedient, wie das bei der klassischen
Elektronischen Post (E-Mail) der Fall ist, sondern auch alle Elemente
von Hypermedia zur globalen Kommunikation (auch in Gestalt von
Multimedia-Mail) nutzt.
Dieser auch ökonomisch bedingte Trend (Firmen und Behörden sind an z.T. weit verteilten Standorten situiert, müssen aber effektiv kooperieren) wird sich außerordentlich rasch verstärken und alle Bereiche tangieren.
Besonders in der Wirtschaft besteht die Notwendigkeit, einen raschen
Zugriff sowohl auf einen umfangreichen Pool von Daten, Richtlinien,
Gesetzesvorschriften usw. als auch auf tagesaktuelles Wissen zu
haben, das man nicht in geschlossenen Systemen vorfindet. Hier
erweist sich der Zugriff auf externe Quellen mittels DFÜ
künftig als ökonomisch relevant. | |||||||||||||||||||||||||
| 7. These | Durch die zweifellos rasch in alle Sphären
der Arbeitswelt, aber auch in die Privatsphäre eindringende
neue Technik mit ihrem neuen Informationsfluß werden massenhaft
Arbeitsplätze wegrationalisiert, verändert; dafür
entstehen - oft an anderer Stelle - neue. Nach einer Schätzung
des Zukunftsministeriums Bildung, Wissenschaft, Forschung und
Technologie werden in Europa in den nächsten Jahren 10 Millionen
neue Stellen entstehen. Als folgenreicher ist jedoch u.E. die Tatsache anzusehen, daß die neuen Techniken auch die meisten etablierten Tätigkeiten durchdringen und damit verändern werden. Der Bedarf an Werktätigen mit EDV-Qualifikation wächst laut Statistik des Forschungsministeriums in den einzelnen Berufen wie folgt:
K.Brepohl ("Karriereführer Spezial" 1996, 19) ist
der Auffassung, daß man diese Zahlen heute schon auf Kosten
derjenigen ohne Bedarf an DV-Qualifikationen zugunsten der Rand-
und Mischberufe nach oben korrigieren müsse, weil die Entwicklung
die Prognose bereits überholt habe. Der Einsatz der modernen EDV-Anwendungen kann die Wettbewerbslage kleinerer und mittlerer Unternehmen in einem Prozeß verbessern, der durch die Schwächung monopolistischer Beziehungen zwischen Auftraggebern und Lieferanten gekennzeichnet ist. Eine wichtige Voraussetzung ist, daß sie sich - nicht zuletzt unter Nutzung der neuesten Informations- und Kommunikationstechnologien - hochreaktiv und innovativ verhalten, d.h. sich flexibel, unbürokratisch und rasch an neue Strukturen, Bedingungen und Bedürfnisse anpassen. Die Erfahrung zeigt, daß zentralistisch ausgerichtete Organisationsformen dazu nicht (mehr) oder kaum in der Lage sind.
Die EU will mittels größerer Projekte die Telematikdienste
für KMU verfügbar machen und orientiert darauf, daß
bis 1996 ca. 40% der KMU (mit mehr als 50 Mitarbeitern) diese
Dienste nutzen.
Für den EDI (Electronic Data Exchange)-Anwender ergeben sich
vier wesentliche strategische Vorteile:
Mittelständler sahen in einem Interview die nachstehenden
Vorteile durch Telekommunikation:
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeitsplätze wird dank des Computers in den Heimbereich (distributed work) verlagert, d.h., die seit der ersten industriellen Revolution typische Trennung zwischen Familienleben und Arbeitsplatz wird wieder rückgängig gemacht. In den USA erledigen schon mehr als 3 Millionen Menschen ihre Arbeit am heimischen PC und stehen per Datenleitung und Fax mit ihrer Zentrale in Verbindung (Telemuting bzw. Telecommuting = Telependeln). In einem IBM-Bürokomplex stehen 650 Angestellten nur noch 220 Schreibtische zur Verfügung, da die Mitarbeiter nur jeweils zwei, drei Tage im Büro anwesend sind. Telemuting spart Immobilien- und Reisekosten, Parkplätze, trägt zum Umweltschutz bei und erhöht die Produktivität. Videokonferenzen und Videotelefon werden Geschäftsreisen reduzieren, die z.B. in Deutschland jährlich 62 Milliarden DM kosten. In Deutschland gibt es derzeit erst 200.000 Telearbeiter; die Zahl der telearbeitsfähigen Arbeitsplätze dürfte indessen bei 30% aller Arbeitsplätze liegen. Der gegenwärtige Rückstand ist u.a. darin begründet, daß in Deutschland erst 10% der Firmen mit E-Mail arbeiten. Dies wird sich allerdings wahrscheinlich angesichts der Gebührenentwicklung bei der Post bald ändern. Mit der Arbeit am Hometerminal entfällt weitgehend der Zwang zur äußeren Mobilität, weil eben ein Teil der komplexen Arbeitsvorgänge in der Wohnung des Arbeitnehmers oder Subunternehmers abläuft. In Ländern mit großen räumlichen Entfernungen oder jede Zeitplanung zu einem Wagnis machenden Verkehrsproblemen ist ein Fernunterricht über Mailboxen bereits Wirklichkeit. Die Zahl der qualifizierten unabhängigen und abhängigen Kleinunternehmer wird - von Ausnahmen (z.B. Reiseunternehmen) abgesehen - steigen. In den Betrieben werden die großen, zentralistisch ausgerichteten Organisationsformen durch schlanke, geschäftsprozeßorientierte Strukturen, Dezentralisierung von Aufgaben und Verwaltung, Lean Production ersetzt. Es werden hochreaktive Systeme mit schnell anpaßbaren Strukturen entstehen. Dies führt zu quantitativ und qualitativ erhöhten Kommunikationsanforderungen, einer leistungsfähigen unternehmensweiten Kommunikationsinfrastruktur.
Untersuchungen zu den Möglichkeiten unternehmensweiter Multimediakommunikation
haben u.a. ergeben, daß a) der Einsatz dieser Systeme nicht
von der Unternehmensgröße abhängt und b) unterschiedliche
Branchen differente Forderungen an die einzelnen Komponenten der
Multimediakommunikation stellen. Im Baugewerbe, in der Immobilienbranche
oder im Nutzfahrzeugbereich beispielsweise spielt die visuelle
Information eine größere Rolle als im Geldverkehr der
Banken. | |||||||||||||||||||||||||
| 8. These | Eine moderne, künftig zu einem beträchtlichen
Teil dezentralisierte, in starkem Maße im Selbststudium
bzw. mit E-Mail absolvierte Ausbildung, Umschulung und Anpassungsfortbildung
mit modernen Medien (Tele-Teaching) ist die conditio sine qua
non für die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen
Maßstab. Andererseits ermöglichen hypertextbasierte
Assistenzsysteme die Überwindung der bisher üblichen
Trennung von Arbeits- und Lernprozessen, die ein Relikt der ersten
industriellen Revolution ist und den Anforderungen der Informations-,
Hochtechnologie- und Robotergesellschaft nicht mehr entspricht.
Der Anwender hat bei diesen integrativen Systemen Zugriff auf die für die Erledigung seiner Arbeit relevanten gesicherten, aber auch tagesaktuellen Daten, Tarife usw. in internen und externen Datenbanken. Die multimediale Vernetzung gestattet ihm aber auch die Erweiterung seines beruflichen Grund- und Hintergrundwissens. Voraussetzung für das Funktionieren derartiger Assistenzsysteme ist jedoch, daß es möglich wird, die erforderlichen Informationen - so Melchert/Witt (1994, 180) -
Assistenzsysteme dieser Art wirken sich nicht nur positiv auf
die Weiterbildung der einzelnen Mitarbeiter, sondern potentiell
auf den gesamten Betrieb aus. | |||||||||||||||||||||||||
| 9. These | Die Notwendigkeit, sich mit den neuen Medien
zu befassen und auszurüsten, wurde inzwischen auch in Europa
erkannt.
Die Europäische Gemeinschaft initiierte daher gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung eine sog. ADAPT-Initiative. Die verfolgt die nachstehenden Ziele:
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| 10. These | In kleineren und mittleren Unternehmen
wird es gewiß derzeit darum gehen, die
täglichen Aufgaben mit der vorhandenen Standardsoftware,
angefangen von modernen Textverarbeitungssystemen (wie Word für
Windows 7.0) , Datenbanken (wie Access 7.0) und Tabellenkalkulationsprogrammen
(wie Excel 7.0), evtl. Finanzbuchhaltungsprogrammen (wie FIBU)
bis hin zu Windows 95, zu bewältigen. | |||||||||||||||||||||||||
| 11. These | Eine besondere Rolle wird auch für
KMU das Fernlernen und in diesem Zusammenhang die Nutzung externer
Selbstlernzentren spielen, da die KMU kaum in der Lage sein werden,
diesbezüglich eigene Strukturen aufzubauen. Entsprechende
Pläne favorisiert die EU (die Förderung des Fernlernens
steht bereits an zweiter Stelle nach der der Telearbeit - s. die
Empfehlungen der sog. Bangemanngruppe), verfolgen aber auch die
IHKs und öffentliche wie private Bildungsinstitutionen, wie
das IIK Institut für Interkulturelle Kommunikation e.V und
die Gesellschaft für Interkulturelle Kommunikation mbH in
Bayern, Berlin und Thüringen. Ein Problem besteht darin, daß das breite Bildungswesen grundsätzlich unvorbereitet auf die Herausforderung seitens der Informationstechnik ist. Insbesondere die Schule bereitet nur ungenügend auf die Beherrschung der neuen Technologien vor. Sie befindet sich permanent im Nachtrab, was die neuen Techniken und Medien betrifft. Die Wirtschaft produziert infolge flexiblen Managements im Handumdrehen neue Produkte, wohingegen das Bildungswesen noch mit Planungszeiträumen von sieben bis zehn Jahren operiert. Das schulische Equipment ist - von Ausnahmen abgesehen - veraltet. Wir brauchen ein weiterentwickeltes Bildungswesen, welches den Menschen für eine Welt voller Informationstechnik qualifiziert. Das Bildungswesen muß, wenn es den gegenwärtigen Anforderungen entsprechen will, dem Menschen die informationelle Umwelt erschließen, damit er in Harmonie mit einer human computerisierten Gesellschaft leben kann.Ein Ausstieg aus der sich unausweichlich weiterentwickelnden computerisierten Gesellschaft ist nur zum Preis eines drastisch reduzierten Bruttosozialprodukts zu haben. Eine großflächige informationstechnische Grundbildung ist die Voraussetzung für die Lösung der vielschichtigen Probleme von Gegenwart und Zukunft. Viele Bildungsträger verstehen unter informationstechnischer Grundbildung immer noch die formalisierte Vermittlung von Programmiersprachen der sechziger Jahre (etwa BASIC) und haben noch nicht zur Kenntnis genommen, daß die gegenwärtige Mensch-Maschine-Kommunikation eine ganz andere Struktur aufweist, sie also ihre Kursteilnehmer mit Überflüssigem traktieren, anstatt sie zum Verständnis der modernen Prinzipien der Informationstechnik einschließlich der Telekommunikation zu führen, sie zu einer bewußten und produktiv-kritischen Nutzung der Informationstechnik zu befähigen. Dazu zählt auch die Befähigung zur Nutzung vorhandener Datenbanken und zur rechneradäquaten Vorstrukturierung von Daten zwecks Verarbeitung auf dem Rechner. Da die Schule inzwischen gegenüber dem Homebereich sowohl hinsichtlich der PC-Hardware als auch der PC-Software ins Hintertreffen geraten ist, kommt es derzeit vor allem darauf an, den Homebereich sinnvoll in den Lehr- und Lernprozeß zu integrieren, ihn durch kompetente Beratung zu optimieren und zu qualifizieren. Materielle und ideelle Investitionen sollten schwerpunktmäßig dort vorgenommen werden, wo der Homebereich noch unterentwickelt ist: bei der Nutzung der Online-Dienste. Diesbezüglich könnte die Schule gegenwärtig noch eine Vorreiterrolle übernehmen. Aus diesem Grund ist es u.a. ratsam, die Bildungsinitiative des Bundesministriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu unterstützen. Mit Recht konzentriert sich diese Offensive auf Leitmotive wie:
Die netzorientierte Arbeit umfaßt dabei sinnvollerweise folgende Tätigkeiten:
Letztlich verfolgt das Projekt das übergeordnete Ziel: die in den geförderten Schulprojekten gewonnenen Ergebnisse als Anstoß und Grundlage für neue curriculare Ansätze einer auf Informations- und Kommunikationstechnik basierten Bildung zu verstehen und diese bundesweit mit allen Partnern im Bildungsbereich weiter zu entwickeln. | |||||||||||||||||||||||||
| © IIK e.V. | ||||||||||||||||||||||||||