Planung einer Marktuntersuchung | ||||
| 1. Hintergrund der Untersuchung | ||||
| Auftraggeber | Auftraggeber für das Thema war
das Institut für Interkulturelle Kommunikation in Berlin.
Das Institut für Interkulturelle Kommunikation ist ein eingetragener Verein, der die Zusammenarbeit zwischen Sprachlehrern, Sprachlernern, Studierenden, Fachkräften aus Industrie, Handel und Tourismus, Wissenschaftlern und weiteren interessierten Personen aus dem europäischen und außereuropäischen Raum fördert.Im Institut für Interkulturelle Kommunikation werden interaktive Präsentationsprogramme für kleine und mittlere Unternehmen auf CD-ROM, POI und im Internet, sowie interaktive, multimediale Lernprogramme erstellt. Außerdem führt es Workshops im Bereich Multimedia zur Erarbeitung und zum Einsatz multimedialer Sprachlernprogramme und Präsentationsprogramme durch. Das Institut hat Niederlassungen in Thüringen, Berlin, Bayern und Rußland. | |||
| Ziel | Das Untersuchungsziel besteht
darin, die Aufgeschlossenheit und das Interesse von kleinen und
mittleren Unternehmen in Deutschland gegenüber multimedialen
Anwendungen zu untersuchen. Die Befragung gliedert sich in zwei Themenbereiche. Ein erster Abschnitt befaßt sich als Ist-Analyse mit den von den Unternehmen angewandten Werbeträgern und Werbemitteln. In einem zweiten Teil soll das Verhältnis zu neueren Medien erfragt werden. Besondere Beachtung mißt die Umfrage der Möglichkeit, Marketingmaßnahmen Online auszudehnen sowie Unternehmens- und Produktpräsentationen zusätzlich durch CD-ROM zu unterstützen, bei. Das Institut für Interkulturelle Kommunikation sieht in der Umfrage nicht nur die Möglichkeit der Datengewinnung. Als Produzent von Multimedia-Anwendungen legt es Wert auf die gleichzeitige Information über mögliche Dienstleistungen des Institutes für die zu befragenden Unternehmen. Es sollen Kontakte geknüpft und potentielle Kunden gewonnen werden. Da dem Unternehmen für diesen Bereich noch wenig Materialien zur Verfügung stehen, soll die Datengewinnung in Form externer Primärerhebung stattfinden. Die Untersuchung wird während eines Praktikums im IIK Berlin durchgeführt. Der Untersuchungszeitraum beträgt drei Monate. | |||
| 2. Arten der Befragung | ||||
| Die mündliche Befragung | Bei der mündlichen Befragung
handelt es sich um ein Gespräch, das ein beauftragter Interviewer
mit einer ausgewählten Person durchführt. Unterschieden
werden verschiedene Formen des mündlichen Interviews. Abbildung 1: Lehmeier, H. Grundzüge der Marktforschung, S. 80 Bei einem standardisierten Interview, das durch genau festgelegte Fragen in einer bestimmten Reihenfolge gekennzeichnet ist, sind weiterführende Erklärungen seitens des Interviewers nicht erlaubt. Dadurch wird jeglicher Interviewer-Einfluß, die Interviewer-Basis, ausgeschaltet. Im Gegensatz dazu ist bei dem nicht standardisierten Interview der Interviewer frei in der Gestaltung des Gesprächs. Im strukturierten Tiefeninterview kann der Interviewer die vorher fest vereinbarten Fragen individuell variieren. Falls bei einem Interview nur das Thema und die grobe Richtung des Gesprächs vorgegeben sind, handelt es sich um ein nicht strukturiertes Tiefeninterview. Überlegungen hinsichtlich der Anwendbarkeit des mündlichen Interviews: Da ein nicht strukturiertes, nicht standardisiertes Interview einen Vergleich und die Auswertung der Gespräche nur schwer ermöglicht, kann diese Form der mündlichen Befragung nicht in Betracht gezogen werden. Der große Vorteil eines strukturierten Tiefeninterviews liegt in dem persönlichen Kontakt beider Gesprächspartner. Der Fragebogen kann vom Interviewer kommentiert und näher erläutert werden. Spontane Antworten und nicht einkalkulierte Meinungen können berücksichtigt werden. Dem Institut für Interkulturelle Kommunikation ist dieser Aspekt wichtig, da der Interviewer neben dem Fragebogen auch das Ziel der Kundenakquisition nicht aus den Augen verlieren soll. Als Nachteil des mündlichen Interviews ist der Fragebogenumfang zu beachten. Um die Erfolgsquote der Interviews nicht zu gefährden, kommt ohne Honorierung der Gesprächspartner nur ein geringer Zeitrahmen in Betracht. Da das Problem der Rücklaufquote entfällt, können in den vorgegebenen drei Monaten alle geführten Interviews ausgewertet werden. An Kosten fallen bei einem mündlichen Interview neben dem Druck des Fragebogens noch Reisekosten an. | |||
| Die schriftliche Befragung | Die schriftliche Befragung
ist der mündlichen in einigen Punkten ähnlich. Als Grundlage
kann der gleiche Fragebogen dienen. Allerdings muß er um
Erklärungen erweitert werden, da kein Interviewer für
Verständnisfragen zur Verfügung steht. Der Fragebogen
wird mit der Post zugestellt. Die Möglichkeit der schriftlichen
Befragung erleichtert so die Erfassung schwer erreichbarer Zielpersonen.
Er wird anonym ausgefüllt und zurückgesendet. Eventuell
kann eine telefonische Nachbetreuung eingerichtet werden. Überlegungen hinsichtlich der Anwendbarkeit der schriftlichen Befragung: Da der Befragte Zeit hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen, kann er überlegter antworten. Dies ist nicht als Nachteil zu werten, denn er bekommt so die Gelegenheit, über mögliche Multimedia-Anwendungen in seinem Unternehmen nachzudenken. Hinsichtlich der Kundenakquisition ist dies ein unbedingter Vorteil. Der Fragebogen kann umfangreich gestaltet werden. Die Zielpersonen können ihre Zeit individuell einrichten und selber entscheiden, wann sie sich den Fragen widmen. Die Befragung eines sehr großen Personenkreises ist möglich, denn bei der schriftlichen Befragung ist die Präsenz eines Interviewers nicht erforderlich. Da es sich in diesem Falle nicht um ein renommiertes Marktforschungsinstitut handelt, muß die Rücklaufquote leider als gering eingeschätzt werden. Auch der Zeitrahmen von drei Monaten erscheint für die Durchführung und Auswertung zu knapp. An zusätzlichen Kosten, neben dem Fragebogendruck, entstehen Portokosten in Höhe von 3.-DM pro zu befragendes Unternehmen. Auch die eventuellen Telefonkosten für ein telefonisches "Nachfassen" müssen eingeplant werden. | |||
| Die telefonische Befragung | Ähnlich wie bei der
schriftlichen Befragung zeichnet sich die Form der telefonischen
Befragung durch die gute Erreichbarkeit der Umfrageteilnehmer
aus. Das Telefoninterview ist eine schnelle und preiswerte Befragungsmethode.
Sie wird besonders bei Umfragen angewendet, die nicht länger
als 25 Minuten in Anspruch nehmen. Da das Telefoninterview als
anonym und unaufdringlich erlebt wird, erhöht sich die Teilnahmebereitschaft.
Es ist auch als Zusatzinterview zur mündlichen oder schriftlichen
Befragung denkbar. Überlegungen hinsichtlich der Anwendbarkeit der telefonischen Befragung: Ein Vorteil der telefonischen Befragung ist die Geschwindigkeit, in der ein Interview durchgeführt werden kann. Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Ein persönlicher Eindruck ist nicht vorhanden. Dies kann zu vorprogrammierter Ablehnung und Mißtrauen führen. Problematisch ist die Kalkulation des Kostenfaktors im Vorfeld, da die Telefonkosten je nach zu befragendem Unternehmen sehr unterschiedlich anfallen. | |||
| Befragungs über Internet | Das Internet ist ein Zusammenschluß verschiedener lokaler
Datennetze, an das in Europa etwa 3 Millionen Endanwender angeschlossen
sind. In Deutschland rechnet man zur Zeit mit 603.790 Teilnehmern.
Die Möglichkeit, das Internet für Befragungen in Deutschland zu nutzen, ist relativ neu. Der Fragebogen wird mit Hilfe spezieller Programmierung (HTML) für das Internet umgesetzt. Beispiele möglicher Fragen und deren Umsetzung für eine Nutzung im Internet. Bildschirm Darstellung: Schreibweise: 1. Alternativfrage: Nutzen sie das Internet? Nutzen Sie das Internet?
2. Offene Frage:
Bei den Newsgroups handelt es sich um
Zusammenschlüsse von Nutzern, geordnet nach verschiedensten
Themengebieten. Umfragen können gezielt in ausgewählten
Gruppen, die in einem inhaltlichen Zusammenhang zum Thema stehen,
veröffentlicht werden. Diese Gruppen werden Usenet-Gruppen
genannt. Da in den Newsgroups die Veröffentlichung kommerzieller
Artikel weitgehend verboten ist, muß die Umfrage deutlich
als anonyme, wissenschaftliche Untersuchung abgegrenzt werden.
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| 3. Erstellung des Fragebogens | ||||
| Die Fragestellung | Die Fragen können nach
verschiedenen Kriterien eingeteilt werden.
Abbildung 4: Unger, F., Marktforschung,
S. 126
Neben der groben Einteilung nach
offenen oder geschlossenen Fragen läßt sich
zwischen direkten und indirekten Befragungsmethoden
unterscheiden. | |||
| Analyse der angewendeten Frageformen | Im folgenden werden die im
Rahmen der Untersuchung verwendeten Fragen (s. Anlage A) zugeordnet.
3.2.1. Offene Fragen Bei der Möglichkeit, offene Fragen zu stellen, muß besonders beachtet werden, daß sie aufgrund der mangelnden statistischen Vergleichbarkeit verhältnismäßig schwer auszuwerten sind. Deshalb wurde die offene Frage nur in Fällen eingesetzt, bei denen eine Liste sinnvoller Antworten vor der Befragung nicht möglich war. Nach der Befragung sollen die gegebenen Antworten eine Kategorisierung und damit die quantitative Auswertung möglich machen. Anwendung der offenen Frageform:
Sowohl bei Frage zwei als auch bei Frage
drei wurde die offene Fragestellung verwendet. Um den Befragten
einige Denkanstöße zu geben, wurden jeweils einige
Werbeträger sowie Werbemittel vorgegeben. Dieses Vorgehen
erschien notwendig, um den zu befragenden Personen den Unterschied
zwischen Werbeträger und Werbemittel zu verdeutlichen.
Bei diesen Fragen wurde keine Antwortmöglichkeit
vorgegeben. Es handelt sich somit um reine offene Fragen. Die
Fragestellung ermöglicht dennoch eine einfache Kategorisierung
nach Abschluß der Befragung.
3.2.2. Geschlossene Fragen
Bei der geschlossenen Frage werden die
Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Diese liegen anhand eines
Katalogs vor. Unterschieden wird bei dieser Art von Fragestellung,
ob mehrere oder nur eine Antwortmöglichkeit zugelassen ist.
Anwendung der geschlossenen Frageform
durch Alternativfragen:
Bei diesen Alternativfragen kann jeweils
nur mit Ja oder Nein geantwortet werden. Da sich diese Frageform
durch leichte Auswertung auszeichnet, wurde sie besonders häufig
verwendet.
Diese Fragen stellen eine Form der Alternativfrage
dar, die sich nicht auf Ja oder Nein beschränkt. Da es sich
aber jeweils um vorgegebene Antwortmöglichkeiten handelt,
von denen jeweils nur eine zu nennen ist, können sie ebenfalls
den Alternativfragen zugeordnet werden.
Anwendung der geschlossenen Frageform
durch Mehrfachauswahlfragen:
Da ein Unternehmen sowohl z. B. in der
Produktion als auch in der Dienstleistung tätig sein kann,
wurde bei dieser Frage eine Mehrfachauswahl erlaubt.
Anwendung der geschlossenen Frageform
durch eine Skalafrage:
Um die Meinung des Interviewpartners
zu messen, wird in Frage neun eine Skala eingesetzt. Es handelt
sich um eine bipolare 5er- Skala in Kästchenform. Der Abstand
zwischen den Kästchen ist gleichbleibend. An den beiden Skalenendpunkten
befinden sich die gegensätzlichen Eigenschaften:
schwieriger zu benutzen <> einfacher zu benutzen weniger Information <> mehr Information unwirksamere Werbung <> wirksamere Werbung
teurer <> billiger
Mit diesem Skalierungsverfahren kann
die persönliche Einstellung hinsichtlich der CD-ROM gemessen
werden.
Verwendung von Mischformen:
Bei einigen verwendeten Fragen handelt
es sich um eine Mischform der vorangestellten Fragetypen.
Diese Fragen stellen eine Form der Alternativfrage dar. Jeweils drei Antwortmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Gleichzeitig soll aber eine Zahl genannt werden, die wiederum als offene Frage gehalten ist.
Wichtig werden Frage sechs und Frage
sieben durch ihren Charakter der Kontaktaufnahme- möglichkeit.
Der Interviewer kann den Gesprächspartner über die üblichen
Preise informieren, nachdem dieser seine konkreten Vorstellungen
genannt hat. | |||
| Strukturierung des Fragebogens | Bei einem strukturierten
Tiefeninterview spielt die Reihenfolge der Fragen innerhalb des
Fragebogens eine Rolle. Die vorgegebene Reihenfolge der Fragen
darf vom Interviewer nicht verändert werden. Das Interview durchläuft verschiedene Stufen:
3.3.1. Das Warming Up | |||
| Die Stichprobe | 3.4.1. Auswahltechniken zur Bestimmung der Stichprobe Da eine Vollerhebung in diesem Fall nicht durchführbar ist, müssen Überlegungen hinsichtlich der Stichprobenart und der Auswahl der Stichprobe durchgeführt werden.
Abbildung 5: Unger, Marktforschung,
S. 126
Bei der uneingeschränkten Auswahltechnik
hätte jedes Unternehmen die gleiche Chance, befragt zu werden.
Es handelt sich also um ein echtes Zufallsverfahren. Eine Voraussetzung,
dieses Verfahren anzuwenden, ist die vollständige Auflistung
aller Elemente der Grundgesamtheit. Da auf eine solche Auflistung
nicht zurückgegriffen werden kann, findet die uneingeschränkte
Auswahltechnik keine Anwendung.
Die Grundgesamtheit wird in Teilgesamtheiten
aufgeteilt. Diese sind in sich homogen aber unterscheiden sich
deutlich von den anderen Teilgesamtheiten. Aus jeder Teilgesamtheit
wird eine Stichprobe gezogen, mit der die Befragung durchgeführt
wird.
Die Grundgesamtheit wird stärker
als bei der Schichtung in Teilgesamtheiten aufgespalten. Die Aufteilung
erfolgt nach gegebenen Aufteilungsmöglichkeiten, z. B. geographisch.
Aus den entstandenen Klumpen wird eine herausgezogen, und sämtliche
Teilnehmer werden befragt.
Um eine Totalerhebung innerhalb der
einzelnen Klumpen zu vermeiden, werden diese noch einmal geschichtet,
und nur die Stichproben aus diesen Schichten werden befragt.
Ein Interviewer sucht aus der Grundgesamtheit
die Personen gezielt aus, die bestimmten vorgegebenen Merkmalen
entsprechen.
Mit dieser Auswahl wurde ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen den Bereichen Dienstleistung, Produktion
und Handel hergestellt. | |||
| 4. Voruntersuchung | ||||
| In einer Voruntersuchung wurden 25 Unternehmen befragt. Diese Untersuchung sollte die Eignung und Verständlichkeit des Fragebogens testen. Außerdem dient ein solcher Pretest der Modifizierung des Fragebogens. Die Anworten der vorab Befragten können erheblich zur Gestaltung der Umfrage beitragen. Besonders bei der Form der geschlossenen Fragestellung kann der Antwortenkatalog nach der Voruntersuchung noch einmal überarbeitet werden.Aus verschiedenen Bürohochhäusern in Berlin wurden die Unternehmen ausgewählt. Mit ihnen wurde an zwei Tagen der Vortest durchgeführt.Die Voruntersuchung war hinsichtlich der Änderung der Gestaltung des Fragebogens sehr aufschlußreich. | ||||
| Änderung der Fragen | Bei Frage 2 wurde in die
Aufzählung der Werbeträger Streuartikel aufgenommen,
da die Voruntersuchung ergab, daß Streuartikel besonders
häufig genannt wurden. Um unnötige Schreibarbeiten des
Interviewers zu verhindern, kann dieser Werbeträger nun angekreuzt
werden.
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| Allgemeine Änderungen | Die Modifizierung der Fragen
ermöglichte eine Reduzierung der ursprünglichen drei
DIN A 4 Seiten auf zwei. Dadurch ergab sich die Möglichkeit,
eine Seite doppelseitig zu kopieren, was sich positiv auf die
Interviewbereitschaft des Interviewpartners auswirken könnte.
Nimmt er doch an, es handle sich um eine Seite Fragen und nicht
um mehrere.Für die zeitliche Planung ergab der Vortest eine
realistische Zeitspanne von 5 Minuten pro Interview. | |||
| © IIK e.V. | ||||