Evaluationskriterien für sprachliche Multimedia-Software | ||||
| Autor | IIK Ansbach e.V. Prof. Dr. Dr. Gerhard Wazel Johann-Sebastian-Bach-Platz 7 D-91522 Ansbach Tel: 0981 / 977 161 Fax: 0981 / 977162 | |||
| Allgemeines | Auszug aus dem Manuskript: "Auswirkungen des Einsatzes interaktiver Medien auf den Lehr- und Lernprozeß"
Damit die mit dem neuen Medium gegebenen großen Chancen nicht vergeben werden und konservative Stimmen nicht die Oberhand gewinnen, die der "Multimedia-Idee" angesichts des auf CD-ROMs gepreßten Datenmülls, dieser runden "Datenfriedhöfe" ihre Nützlichkeit und Innovation absprechen, erweist es sich als notwendig, Kriterien für die Auswahl und Ausarbeitung von Software in den verschiedenen Anwendungsgebieten auszuarbeiten, zu popularisieren und die Nutzer damit vertraut zu machen, um sie zu einem aktiven, kritischen Gebrauch des überbordenden Angebots zu befähigen. Die Evaluation wird auch eine Hilfe bei Kaufentscheidungen sein; denn im Unterschied etwa zu Musik-CDs gibt es auf dem Markt für CD-ROMs, deren physische Produktion inzwischen auf ca. 1 DM pro Kopie gefallen ist, keine Preisstruktur. Das heißt, es kommt zu beträchtlichen, ungerechtfertigten Preisunterschieden. Zum Teil handelt es sich um willkürlich festgesetzte Phantasiepreise, was letztlich zu Preiskämpfen, Straßenpreisen und zu einem aggressiven Verdrängungswettbewerb führt. Dies gilt auch für Deutschland, wo 350 - 400 Firmen unterschiedlicher Größenordnung mit ca. 1800 Beschäftigten CD-ROM-Software produzieren bzw. anbieten. Für einigermaßen diskutable CD-ROM-Produktionen zahlt man heute zwischen 30 bis 130 DM, doch 300 bis 500 DM werden auch verlangt, wobei eben die Produktionskosten im Gegensatz zur Praxis bei den Massenmedien von vornherein variabel an den Anwender delegiert werden, weil man Multimedia noch als Special-Interest-Medium ansieht. Nicht zu unrecht spricht man daher von einer "Innovationsrente", die der Verbraucher dem Produzenten gewähren muß.
Kaufentscheidungen fallen dem Nutzer umso schwerer, als er in
der Regel vorher keinen Einblick in den Inhalt nehmen kann und
nur über meist attraktiv gestylte Hüllen, großformatige
Verpackungen mit vollmundigen Versprechungen angelockt wird. Einige
Zeitschriften, wie "Screen Multimedia", "Data News"
und andere sind inzwischen dazu übergegangen, Neuerscheinungen
kurz vorzustellen und zu bewerten. Wir haben unsererseits speziell
die Sprachprogramme etwas ausführlicher gutachtervalidiert
und in Sprachkursen getestet. Auch dabei bestätigte sich
die allgemeine Feststellung, daß mehr als 90 % der Produktionen
schon normalen Anforderungen einer modernen Didaktik nicht standhalten.
Bei der Ausarbeitung der Evaluations- und Produktionskriterien müssen die oben erwähnten Bereiche (ergo: Ziele, fachliche Inhalte, mediale, didaktische, programmiertechnische, ergonomische, ethische, erzieherische Gestaltung) Beachtung finden, und man braucht nicht ab ovo zu beginnen, da in den letzten Jahren fundierte Prüflisten und Kriterienkataloge zur Computer- und Videoteachware vorgelegt wurden, die cum grano salis auf Hypermedia-
Produkte anwendbar sind (vgl. unsere Ausführungen in "Materialien
DaF", Heft 33: "Deutsch als Fremdsprache im europäischen
Binnenmarkt"), wenngleich selbstredend die Besonderheiten
Beachtung finden müssen, die sich aus den differenten Medien
und ihrer Integration ergeben. Andererseits ist zu beachten, daß
im Einzelfalle nicht alle Potenzen ausgeschöpft werden müssen,
die das Medium bereitstellt. Welche der Möglichkeiten genutzt
werden, hängt bei Teachware in erster Linie vom Unterrichtsziel,
den zu vermittelnden Inhalten und dem Ökonomieprinzip (Aufwand
für Lerner und Lehrer) ab. Das heißt, es gilt, Inhalte,
Botschaften und Geschichten zu finden, die sich optimal mit interaktiven,
medienintegrierenden Mitteln präsentieren lassen (Screen
Multimedia 2/95,12). Die Nutzer sollten schließlich
Die Beratungsstelle für Neue Technologien des Landesinstituts
für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalens (1994)
formulierte einige wichtige allgemeine Anforderungen an die interaktiven
Medien für den Unterricht, die u.E. eine Hilfe bei der Auswahl
und der Produktion von Lernprogrammen sein können: Interaktive Medien sollten
Nachdem wir die für alle Computerprogramme gültigen Anforderungen skizziert haben, wollen wir in erster Näherung einige Anforderungen zur Diskussion stellen, die unserer Auffassung nach zusätzlich für multi- bzw. hypermediale Programme gelten sollten. Dabei beschränken wir uns auf Software-Einheiten, die von vornherein für das Fremdsprachenlernen gedacht und konzipiert worden sind. Wir lassen ergo an dieser Stelle die für das Selbstlernen ebenfalls in hohem Maße interessanten fremdsprachigen Lexika, Baedeker, Kataloge, Musik-CD-ROMs und auch Spiele außer Betracht, die gegenwärtig für die Fremdsprache-Instruktion insofern teilweise mehr Bedeutung haben, als sie eine höhere Qualität aufweisen als die vielen schwachen Lernprogramme und weil der Einsatz von Multimedia in den Schulen in dieser Phase eher darauf zielt, die Lerner mit dem Medium, seinen Potenzen und den empfehlenswerten CD-ROMs bekanntzumachen bzw. sie für Qualitätsmerkmale zu sensibilisieren.
Ferner konzentrieren wir uns aufgrund der unzulänglichen
Hardwareausstattung an den Schulen und der gegenwärtig noch
ungenügenden Vorbildung der meisten Lehrer in bezug auf Multimedia/Hypermedia
auf Programme für den Homebereich bzw. für das Selbstlernen,
d.h. auf Programme, die sich selbst erklären bzw. keinen
Interpreten benötigen, um eingesetzt werden zu können.
Ferner beziehen wir allgemeine Gestaltungsprinzipien ein, gegen
die in den gegenwärtigen CD-ROM-Produktionen verstoßen
wird bzw. die keine oder zu wenig Beachtung finden. | |||
| Ziele/Inhalte |
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| Dokumentation/ Zusatzmaterial |
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| Didaktische, erzieherische, ethische Gestaltung |
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| Mediale/ programmtechnische/ ergonomische Gestaltung |
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