Call - Innovationsanspruch und Programmwirklichkeit |
| Allgemein |
Auszug aus der Magisterarbeit von Frau Andrea Pufahl "Call - Innovationsanspruch und Programmwirklichkeit" (eingereicht an der Ludwig Maximilians-Universität München, Institut für Deutsch als Fremdsprache) |
4.3 Das 'Neue' an CALL |
Mit der Computernutzung im fremdsprachigen
Unterricht öffnen sich neue Wege. Das was in der Literatur
als 'neu' postuliert wird, läßt sich verschiedenen
Ebenen zuordnen:
- den Vorzügen der technischen
Anlagen des Computers,
- den tutoriellen bzw. einübenden
Programmen,
- den Eigenschaften, die das neue Medium
mit sich bringt,
- den oftmals daraus resultierenden
Herausforderungen für den Fremdsprachenunterricht und schließlich
- den neuen Anforderungen, die der Computer
an den Unterricht im allgemeinen und den Fremdsprachenunterricht
im speziellen stellen kann.
An dieser Stelle möchte ich eine
Bemerkung zur Sprache der rezipierten Texte einfügen. Man
verfällt in der Literatur immer wieder in eine stark informatikgeprägte
Sprache. So spricht man von 'Daten', 'Eingaben' und vor allem
von 'Informationen', egal ob man nur Teile oder aber die gesamte
Bandbreite digital bearbeitbarer 'Zeichen' meint, also textuelle,
visuelle (Bild, Grafik, Bildsequenzen) oder akustische Elemente.
Wenn man sich auf ein Element bezieht, ist die sprachliche Unterscheidung
leicht. Schwierigkeiten bereitet dagegen der Ausdruck 'Information',
der, in einfache Anführungszeichen gesetzt, die Not der
adäquaten Wortwahl widerspiegelt. - Einfacher ist es, 'menschelnde'
Technikmetapher aufzulösen. Wie die meisten der CALL-Autoren
werden in dieser Arbeit Begriffe, die generell als humane Eigenschaften
definiert sind, ebenfalls in einfache Anführungszeichen gesetzt. |
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4.3.1 Das 'Neue' an der Computertechnik |
Der Computer hat als technische Maschine
gewisse Eigenschaften, die in ihrer Kombination und in Verbindung
mit den inhaltgebenden Programmen neu sind. Diese Eigenschaften,
'Eingaben' empfangen, analysieren und verarbeiten zu können,
sind didaktisch verwertbar. (Rüschoff 1985, 94) Im einzelnen
lassen sich auflisten:
- Speicherkapazität
- Programmierbarkeit
- Flexibilität
- Verknüpfung von Text, Bild, Grafik,
Film und Ton
- dadurch hohe Anschaulichkeit
- verzögerungsfreie Wiedergabe
digitalisierter Daten
- Potential zur Interaktivität
Für die didaktische Nutzung ergeben
sich daraus positiv bewertbare Eigenschaften. (Kenning & Kenning
1988, 3) Der Computer ermüdet auch durch endlose Wiederholungen
nie, wohl aber der Lehrer oder die Lehrerin; man spricht deshalb
sogar von der endlosen 'Geduld' der Maschine. Zudem steht eine
Maschine im Idealfall immer zur Verfügung, wenn man sie braucht
oder wenn man sie nutzen möchte.
Higgins & Johns erwähnten scheinbar beiläufig, der
Computer sei eine "obedient but stupid machine". (1984,
54) Eine, wie ich finde, gelungene ironische Umschreibung für
die Genialität und die Beschränktheit des Computers. |
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4.3.2 Das 'Neue' an CALL-Programmen |
Die hier angeführten Punkte sind
nicht als Standardinhalte von CALL-Software zu interpretieren.
Es handelt sich vielmehr um potentielle Softwareeigenschaften,
die in der' Literatur beschrieben werden, ungeachtet der Tatsache,
daß sie in der Vergangenheit oft mißachtet wurden.22
Als innovative Schlagworte sind zu nennen:
"Flexibilität, Individualisierung, Detailgenauigkeit
und Reaktionsgeschwindigkeit" (Hope et al. 1985, 1 1), "fakultative
Unterstützung" (Grüner & Hassert 1991, 2 1),
Fehlerbearbeitung sowie Interaktivität.
Das vielleicht wichtigste Potential ist alles das, was gemeinhin
unter 'Interaktivität' zusammengefaßt wird. Der Ausdruck
entstammt ursprünglich aus den Sozialwissenschaften. Er
wurde in der Informatik neu definiert und in der aktuellen Computerindustrie
wie ein Modewort verwendet 23.
In der Informatik steht er für das Verhältnis des Menschen
zur Maschine und umschreibt, daß "die Benutzer aktiv
und handlungsorientiert in die Programme [bzw. den Programmablauf,
A.P.] eingreifen und ihren individuellen Lernweg frei wählen
können" (Hahn 1995, 122) - oder anders formuliert, "daß
der Benutzer nicht nur Rezipient ist, sondern in den medial vermittelten
Informations-, Kommunikations- und Lernprozeß gestaltend
einbezogen ist" (Baumgartner & Payr 1994,128). Es wird
häufig darauf hingewiesen, daß 'Interaktivität'
im Computerbereich nicht mit Interaktion zwischen Menschen gleichzusetzen
sei. (z.B. Baumgartner & Payr 1994, 130) Menschliche Interaktion
sei als zweiseitiges 'Hin und Her' zu interpretieren, wohingegen
computertechnische Interaktion, zumindest wie sie hier beschrieben
wurde, einseitig linear verstanden wird.
Man beschränkt sich somit nur auf einen Teil des Verhältnisses
zwischen Mensch und Computer bzw. Software. Natürlich soll
ein Programm auf eine Eingabe zumindest mit einer Alternative
'reagieren', sonst wäre jedes Gestaltungspotential absurd.
Das Verhältnis zwischen Mensch und Computer ist also idealerweise
zweiseitig, auch wenn die 'Reaktion' der Software vorprogrammiert
ist.
Verschiedene Autoren versuchen die Zweiseitigkeit in der Wortwahl
auszudrücken. 'Dialog' wurde bereits in Anlehnung an Göbel
benutzt, er unterscheidet hier wiederum menschlichen und maschinellen
Dialog. (1985, 68) Eine weitere Alternative wäre die Umschreibung
"reaktives Medium" (Weidenmann & Krapp 1989, 623),
die das maschinelle Reaktionspotential als Ausgangspunkt nimmt.
'lnteraktivität' ist vielleicht das am sorglosesten verwendete
Wort der Computerbranche 24,
dahinter können sehr einfache Konzepte versteckt werden,
die nur sehr beschränkten Gestaltungscharakter haben. Deshalb
ist es notwendig, gerade die interaktiven Anlagen jeder Software
genau zu untersuchen, um eventuelle Ansprüche und Wirklichkeiten
voneinander zu trennen (siehe auch Baumgartner & Payr 1994,
129f). Es sollte zudem mediendidaktische Aufgabe sein zu untersuchen,
ob und wann es überhaupt notwendig und sinnvoll erscheint,
Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten anzubieten. - Die weiteren,
innovativen Softwareeigenschaften können knapp beschrieben
werden:
Individualisierung und Binnendifferenzierung:
Die Arbeit mit CALL-Software ermöglicht
es, auf den individuellen Wissensstand und die Lerngewohnheiten
einzelner Studentinnen und Studenten einzugehen. Hierfür
steht auch das Schlagwort 'Binnendifferenzierung'; man erhofft,
stärker als bisher Lernerleistungen individuell fördern
und steigern zu können. Man könnte sagen, beide Eigenschaften
werden in der Theorie bereits als Gemeinplatz betrachtet (z.B.
Kenning & Kenning 1988, 3, und viele mehr), doch könnten
erst Untersuchungen die Effizienz dieses Postulats belegen. Bei
individueller Nutzung sind tutorielle Sprachprogramme zudem sehr
gut für zurückhaltende Menschen, die damit Probleme
haben, sich vor der Klasse zu produzieren. (Kenning & Kenning
1988, 3)
Detailgenauigkeit:
Viele Autoren loben ein Nebenprodukt des
Fremdsprachenunterrichts. Texteingaben am Computer fordern Exaktheit
hinsichtlich Orthographie und Interpunktion, die durch die Arbeit
mit Lernprogrammen und Textverarbeitungsprogrammen automatisch
trainiert werden. Auch die Sauberkeit des Ausdrucks wird als
nicht zu unterschätzendes, positives Nebenprodukt gerne angeführt.
(z.B. Kenning & Kenning 1988, 146f; Thomé, 1992, 59f,
und viele mehr)
Aktualität und Authentizität:
Durch Kommunikationstechniken kann jetzt
"tagesaktuell, ländergrenzenübergreifend, mit dem
konkreten landeskundlichen Hintergrund auf elektronischem Weg
direkt kommunikativ miteinander in Verbindung" getreten werden.
(Fechner 1994a, 1 1; siehe auch Eck et al. 1994, Lichte 1994)
Vor allem Eck et al. wollen ausschließlich diese neuen Möglichkeiten
genutzt sehen, denn sie bauen darauf auf, daß Fremdsprachenlernende
4 G vor
allem über den aktiven Gebrauch von Sprache zur Beherrschung
sprachlicher Regularitäten gelangen". (1994, 6 1) Authentizität
der Sprache und 'reale' Kommunikationssituationen seien dafür
beste Voraussetzung 25.
(Kap. 3.3.)
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4.3.3 Der Computer, ein 'neues' Medium
für den Fremd- sprachenunterricht |
Der Computer ist ein völlig neues
Medium mit Eigengesetzlichkeiten, die keinem anderen Medium zugeschrieben
werden können. Diese These der Einzigartigkeit des Mediums
(z.B. Fechner 1994a, 6) sollte Maßstab für die Nutzung
im Fremdsprachenunterricht sein. Was mit Hilfe anderer Medien
genauso gut möglich ist, sollte nicht mit dem Computer durchgeführt
werden, und nicht nur deswegen, weil es erheblich teurer ist.
Auch hier sind Effizienzuntersuchungen notwendig, die zeigen müssen,
welches Medium für welche Leistungen geeignet ist.
In Anlehnung an Seymour Paperts Buch "Mindstorms" (1982)
bezeichnen die Pädagogen Weidemann & Krapp den Computer
als 'Werkzeug', mit dem man denkt. (1989, 623)
Eine beachtenswerte Überlegung zu dieser Metapher geben Baumgartner
& Payr. Sie beschreiben, wie Werkzeuge in der Hand der Benutzer
zum verlängerten Körperteil werden. Man empfindet beispielsweise
einen Hammer nicht mehr bewußt als solchen, sondern konzentriert
sich auf den Nagel, den man in die Wand schlagen möchte.
(1 994, 34-40)
Jeder Mensch, der mit Computern arbeitet, kennt die Erfahrung,
daß dabei Stunden vergehen, ohne daß man durch irgendwelche
körperlichen Wünsche unterbrochen wurde. Es ist leicht,
sich auf gut gemachte Programme zu konzentrieren, und es macht
auch Spaß. Einige Eigenschaften, die alle CALL-Autoren
unterstützen, sind:
- Lebendigkeit
- Computerarbeit macht Spaß, fasziniert
und motiviert
- Eignung zur Gruppenarbeit
- aktive Arbeit (automatische Korrektur,
fehlerbezogene Hilfen, Lernerfolgsanzeige)
- Lerner können Material kontrollieren.
(Hope et al. 1985, 8f)
Der Computer kann als Sprechanlaß
genutzt werden, wenn mehr als eine Person an der Maschine sitzt.
(Higgins & Johns 1984, 36/37) Daß sehr lebhafte Unterrichtsgespräche
entstehen, berichten viele Autoren. Sie widersprechen darin dem
geläufigen Vorurteil, Computernutzung würde soziale
Vereinsamung provozieren. (Weidemann & Krapp 1989, 625)
Computer eröffnen sicherlich neue Formen im Fremdsprachenunterricht.
Sie haben aber mit
allen anderen technischen Unterrichtsmitteln" eines gemeinsam:
die Abhängigkeit von 'guten', das heißt lernziel-,
medien- und lernergerechten Materialien und der Art der Anwendung
(Rüschoff 1988, 46/47), denn "erst durch die Software
[können Computer] die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen
und zu verschiedenen Zwecken im Unterricht verwendet werden".
(Thomé 1989, 11)
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4.3.4 'Neue Chancen und Herausforderungen'
für den Fremdsprachenunterricht |
Das Unterrichtsmedium Computer ist als
solches weder an eine Methode noch an eine spezielle Funktion
gebunden. (Kenning & Kenning 1988, 5) Dasselbe muß für
Lehr- und Lernprogramme festgestellt werden. Das sind scheinbar
einfache Erkenntnisse, die Konsequenzen daraus sind jedoch weitreichend.
Erst konkrete Programminhalte und methodische Entscheidungen
'erfüllen' die Funktion des Computers im Unterricht. Nur
mit einem reflektierten Konzept lassen sich gute Programme und
Einsatzformen begründen. Insofern hat Bleyhl recht, wenn
er titelt: "Der Computer als Prüfstein für das
Verständnis vom Fremdsprachenlernen". (1989) Vielleicht
kann computergestütztes Fremdsprachenlehren und -lernen erst
vor diesem Hintergrund als "bereichernd" (Fechner 1994a,
6) empfunden werden bzw. das Unterrichtsangebot fördern und
verbessern (Kenning & Kenning 1988, 4). Viele CALL-Autoren
sind sich einig: Der Unterricht ist mit Computer insgesamt attraktiver.
Obwohl besser formuliert wäre: Der Unterricht kann mit dem
Computer attraktiver werden.
Vor diesen Überlegungen sind viele Thesen zu CALL als Herausforderung
einzustufen. Zum Beispiel daß die Erfahrungen der Geschichte
des Fremdsprachenunterrichts ein "critical eye" evoziert
haben. (Hardisty & Windeatt 1989, 3) Es wird bezweifelt, ob
der Computer als Medium begrenzter Wahlmöglichkeiten zwangsläufig
nur eingleisige Programme mit systemimmanenten Logikstrukturen
zuläßt, und ob Aspekte wie "Hermeneutik, Ästhetik,
Kritik, Intention, Kreativität, Moral" dabei fehlen
müssen. (Weidenmann & Krapp 1989, 625) Interessant ist
die Fortsetzung des Gedankens der zitierten Pädagogen; sie
geben zu bedenken, ob der "derzeitige Unterricht in unseren
Schulen Kritikfähigkeit, Kreativität und moralische
Urteilskraft fördere" oder ob speziell der Erwachsenenunterricht
generell Raum dafür läßt. (ebd.)
Computer sind eine Herausforderung, sie anzunehmen ist eine Chance.
Möglichkeiten für neue Lehr- und Lernformen können
geschaffen werden, hier wären "selbstgesteuerte und
selbstverantwortliche Lernprozesse" zu nennen. (Rüschoff
1988, 15) Eine "didaktische Restauration" sei, so Rüschoff,
weder notwendig noch angestrebt. Es gehe in der Fremdsprachenlehre
weiterhin 'nur' um die "Problematik des bewußten und
gesteuerten Sprachenlernens" im Vergleich zu den Erkenntnissen
des unbewußten Spracherwerbs. (a.a.O., 18f 26)
Ebenso wie bei anderen technischen Unterrichtsmedien wurden durch
computergestützte Lehr- und Lernmittel "Defizite in
der Forschung und Entwicklung sowie in der Praxis des FSU besonders
deutlich". (Löschmann 1994, 21f, ebenso Kenning &
Kenning 1988, 4) Andere Autoren denken in diese Richtung, wenn
sie schreiben, der Computer habe das Potential, "[to] change
the way we teach even when we are not using a computer".
(Higgins & Johns 1984,17)
Einen völlig anderen Bereich betrifft die Annahme, Computerarbeit
schaffe mehr Freiraum für das Lehrpersonal. In der Anfangszeit
der CALL dachte man noch, Computer könnten Lehrer zum Teil
ersetzen. (Higgins & Johns 1984, 9) Dieses Argument hat sich
nicht gehalten, es hatte sich wohl vor allem auf den Lehrermangel
der 60er und 70er Jahre gestützt. Geblieben ist ein damit
verwandtes Argument: Die Lehrer würden von der "drudgery"
ihrer Arbeit entlastet werden. (Higgins & Johns 1984, 9, Astleitner
& Leutner 1994, 66 1) Sie müßten weniger Zeit für
'langweilige' Korrekturen vergeuden (z.B. Kenning & Kenning
1988, 3) und hätten mehr Zeit für kreative und kommunikative
Aspekte (z.B. Wazel 1990, 7). Es scheint, daß in der Diskussion
die neue Arbeitsqualität zu leichtfertig als 'wertvoller'
eingestuft wird.
Schließlich wird von verschiedenen Seiten dazu aufgerufen,
den Computer auf mannigfaltige Weise im praktischen Einsatz zu
erproben, und zwar sowohl durch die einzelnen Lehrerinnen und
Lehrer selbst als auch durch fundierte, wissenschaftliche Untersuchungen.
(z.B. Higgins & Johns 1984, 87; Thomé1989, 268f, Rüschoff
1988) Es bestünde sonst die Gefahr, "to generalise too
readily from what may be an untypical first experience with a
particular kind of program". (Higgins & Johns 1984, 87)
Auch wenn Thomé von "fast übereinstimmenden Negativbeurteilungen
der Softwarequalität" der 80er Jahre berichtet und deshalb
fordert, vor dem Einsatz im Klassenzimmer "intensiv"
zu prüfen und zu evaluieren, ist es sicherlich trotzdem richtig,
weiterhin zu experimentieren. (Thomé 1989, 268 27) Vor
allem auch deshalb, weil CALL mehr umfaßt als tutorielle
Programme.
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4.3.5 'Neue Anforderungen' an den (Fremd- sprachen-)Unterricht |
Der Computer stellt unter (fach-)didaktischen
und gesellschaftspolitischen Aspekten neue Anforderungen an den
(Fremdsprachen-)Unterricht. Denn: "Das Umgehen mit dem Computer
gehöre heute bereits zu den elementaren Grundfertigkeiten
und ist Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten in der Industriegesellschaft."
(Fechner 1994a, 5) Insofern kann Computerarbeit als eine "Herausforderung
an unsere Bildungseinrichtungen" (Rüschoff 1995, 320)
angesehen werden, die über den reinen Wissensvermittlungsanspruch
29 hinaus praktische Computerarbeit zum Unterrichtsalltag machen
und so Strategien zum eigenständigen Umgang mit digitalen
Angeboten explizit oder implizit vermitteln.
Ein wichtiges Argument mit neuen Konsequenzen für die Ausbildung
von Fremdsprachenlehrende findet zu wenig Beachtung. Higgins
& Johns forderten bereits 1984, "not to impose computers
on staff who have not been prepared or trained to use them".
(a.a.O., 12) Das ist als Ergebnis der Erfahrungen mit dem Sprachlabor
einzustufen, wo eine nicht vorbereitete Lehrerschaft mit zum Teil
sehr gut ausgestatteten Sprachlabors konfrontiert wurde. Die überforderten
Praktiker konnten die Geräte weder technisch beherrschen
noch wußten sie das Sprachlabor didaktisch einzusetzen.
(vgl. Kleinschmidt & Nübold 1982) In der CALL-Diskussion
werden kaum Konsequenzen für die Ausbildungsanforderungen
von Lehrerinnen und Lehrer gezogen. Wazel steht einmal mehr als
G einsamer Rufer' da, der fordert, was in Frankreich in Ansätzen
schon seit Jahren existiert. Seit Anfang der 90er Jahre entwickelten
Germanistikstudentlnnenen eigene Programme auf der Basis von HyperCard,
einem Hypertextprogramm von Macintosh. (Pisani & Rünneburger
1994, 98-115) Wazel geht noch einen Schritt weiter, er fordert,
parallel zum Studium fachbezogene Computerkenntnisse zu vermitteln
und eigene Computeranwendungen erstellen zu lassen. (Wazel 1994)
Auf den Umgang mit Computern sollten, könnten und müßten
künftige Lehrende gut vorbereitet werden, zudem sei es notwendig,
die fächerübergreifende Zusammenarbeit zu forcieren.
Das seien die notwendigen Voraussetzungen, um die Qualitätsstandards
garantieren zu können, die von den Theoretikern der CALL-Diskussion
eingefordert wurden und werden.
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