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Bilanz nach einer Woche: "Mein Deutschlandbild ist viel positiver geworden"

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Vorweihnachtliche Gemütlichkeit auf den Straßen fiel auf - Von der Freundlichkeit der Menschen überrascht

Ansbach (mb) - Zwölf Pädagogen aus Belgien waren vor kurzem für eine Woche zur Fortbildung in Westmittelfranken. Für die Lehrerinnen und Lehrer standen neben der Arbeit am Ansbacher "Institut für Interkulturelle Kommunikation" Besuche auf dem Programm - unter anderen in Dinkelsbühl in der Hauptschule und beim Arbeitsamt - sowie Stadtführungen in Ansbach und Nürnberg. Wir wollten wissen, welche Eindrücke aus der Region sie mit nach Hause nahmen.

Pascaline Outtier kennt, unter anderem von ihrer Studienzeit in Heidelberg, etliche Gegenden Deutschlands. "Jede Ecke hat ihre eigene Atmosphäre. Hier ist mir besonders die Gemütlichkeit aufgefallen." Die 32-Jährige, deren Mutter schon Deutschlehrerin war, arbeitet an einer Schule in Ieper, in der alle Jugendlichen ab der 10. Klasse Deutsch lernen. "Bei uns wird viel mehr von Lehrer unterrichtet. In Dinkelsbühl haben wir dagegen sehr viel Gruppenarbeit, Diskussionen und Interaktionen zwischen Lehrern und Schülern gesehen. In die Schulgebäude wird viel Geld gesteckt. Deutschland gibt eben traditionell viel Geld für die Ausbildung aus. Wir haben uns auch gewundert, dass man in Ansbach noch eine nagelneue Fachhochschule gebaut hat." Unterm Strich hat ihr die Woche in Westmittelfranken großen Spaß gemacht. "Mein Deutschlandbild ist viel positiver geworden."

Ghislaine De Yuyst aus Oostkamp war vor allem von der Freundlichkeit auf der Straße überrascht. "Unser Busfahrer hat nach einer Umleitung einmal nicht weitergewusst. Da hat gleich ein Mann nach unserem Ziel gefragt und ist vorangefahren, um uns den Weg zu weisen. Das würde in Belgien nicht passieren." Die Mitbestimmungsmöglichkeiten von Schülern war ihr neu. "In Belgien werden Schüler nur gehört, aber sie können nicht mitbestimmen, was an der Schule geschieht." Von den besuchten Städten war die 52-Jährige vor allem von Nürnberg begeistert. "Ich war das letzte Mal vor zehn Jahren dort. Es ist jetzt viel ruhiger, weil man die Autos aus dem Zentrum verbannt hat."

Chris Decock hat gut gefallen, dass künftig in Bayern an der Hauptschule die Mittlere Reife abgelegt werden kann. "Das gibt es bei uns nicht." An seiner Schule im Waregem in Flandern verbringt er viel mehr Zeit als seine fränkischen Kollegen. "Wir haben bis auf Mittwoch jeden Nachmittag bis vier Uhr Unterricht." Interessant fand der 46-Jährige den Besuch beim Arbeitsamt. "Die Obergrenze für das Arbeitslosengeld hat uns sehr überrascht. Im Belgien gibt es viel weniger Geld, das allerdings viel länger." Neben den Ausflügen hat Chris Decock die Chance begrüßt, im Kurs Erfahrungen über den Medieneinsatz im Deutsch-Unterricht auszutauschen. "Das war ein echtes Win-Win-Verhältnis. Alle haben davon profitiert."

"Die Menschen hier waren alle freundlich und nett zu uns", freute sich Marina Louagie aus Oostduinkerke am Ärmelkanal "Die Deutschen sind noch ein bisschen gemütlicher als wir. Der Bummel über den Nürnberger Christkindlesmark war märchenhaft, obwohl die Buden noch geschlossen waren. Bei uns ist die Weihnachtsatmosphäre auf den Straßen nicht so intensiv. Das ist eher in den Wohnungen zu spüren. Für die kleinen Kinder ist St. Nikolaus der wichtigere Festtag, an dem sie mehr Geschenke bekommen als an Weihnachten." Bei den Jugendlichen hat sie den Eindruck, das es viel mehr private Kontakte untereinander gibt.

"Sie können sich alle am Nachmittag treffen und zusammen etwas unternehmen, weil sie früher von der Schule nach Hause kommen als in Belgien." Diesen Freiraum würde auch Marina Slegtinck begrüßen. "Die Jugendlichen haben hier am Nachmittag Zeit für Musikstunden oder Sport. Schade, dass dafür bei uns durch die längere Schule wenig Zeit bleibt." Die Überschaubarkeit in den fränkischen Kleinstädten wäre für die 44-Jährige aus Bonheiden reizvoller als ein Leben in der Großstadt. "Ich kenne München, dort hat man natürlich viel mehr Kulturangebote. Ansbach oder Dinkelsbühl sind viel kleiner aber auch gemühtlicher." Ebenso wie ihre Kollegen hatte sie keine Probleme mit dem fränkischen Dialekt. "Alle Leute, die ich getroffen habe, haben sich sehr bemüht, deutlich zu sprechen. Ich habe alles gut verstanden."

Datum: 
09.12.2000
Erschienen in: 
Fränkische Landeszeitung

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